Mobirise website generator

Die hysterische Angst in Schäubles Augen - Griechenland, der Euro-Austritt und die BRICS

von Thomas Trautzsch
2015-02-05
Wolfgang Schäuble - (wikimedia commons)

Seit der Wahl in Griechenland bleibt in der erodierenden Eurozone kein Stein mehr auf dem anderen. Die Hysterie des Establishments lässt sich kaum noch verbergen und die sonst so erhabene Gelassenheit der finanzpolitischen Kaste weicht einer sich stetig beschleunigenden Panik.

Man droht Griechenland seitens der EU-Institutionen mit dem Auslaufen der Kreditlinie und dem Stop des Ankaufs von griechischen Staatsanleihen durch die EZB, was ohnehin gegen die Maastricht Kriterien verstösst. Etwas besseres kann Griechenland doch eigentlich nicht passieren. Welchen Sinn macht es schon neue Schulden aufzunehmen, nur zum Zweck der direkten Schuldentilgung? Wo ist der Benefit? Der Grund für Schäubles Hysterie liegt in der Tatsache, dass deutsche Banken in Griechenland exponiert sind. Das Geld, dass Griechenland von der TROIKA bekommt, trägt in keinster Weise zur Gesundung der griechischen Wirtschaft bei, weil der größte Teil zur Schuldentilgung bei europäischen Banken und insbesondere deutschen Banken verwendet wird, und nicht in reale Investitionen in der griechischen Wirtschaft fließt.

Das griechische Wachstum, welches Herr Schäuble in einen Anfall von Wahnvorstellung sehen will hat nichts mit der physischen Realität zu tun. Die Leute in Griechenland sind sicher nicht auf die Strasse gegangen oder haben Syriza gewählt, weil es aufgrund europäischer Hilfszahlungen so ein großartiges Wachstum gegeben hat. Herr Schäuble leidet da ganz offensichtlich an Wunschdenken und seine gutsherrenartige Gebermentalität wird spätestens dann ein jähes Ende finden, wenn die Griechen erkennen, dass sie ohne das EU-Korsett wesentlich besser fahren.

Was Griechenland braucht, sind keine neuen Schulden, um alte Schulden zu begleichen, sondern Griechenland braucht einen Schuldenschnitt unter der Anwendung strikter Glass-Steagall Richtlinien. Wir alle wissen, dass ein Großteil der griechischen Regierung korrupt war und eigene Interessen oft im Vordergrund standen. Isofern ist es doch durchaus berechtigt zu fragen, ob diese Schulden, die unter diesem alten Korruptions-Regime gemacht wurden überhaupt legitim sind.

Hat es vor einem Jahr nicht in Leipzig zum Beispiel auch einen Skandal um das hiesige Wasserwerk gegeben, bei dem Mitglieder des Vorstandes unberechtigterweise Spekulationsgeschäfte mit öffentlichem Vermögen tätigten und dabei fast eine halbe Milliarde Euro verzockt haben, die dann als öffentliche Schulden von der UBS Bank eingefordert wurden? Es wurde in London höchst richterlich beschlossen, dass diese Schulden nicht legitim und daher nichtig sind. Bei den griechischen Schulden gilt im Grunde das gleiche Prinzip. Es ist moralisch nicht vertretbar, dass ein ganzes Volk in Geißelhaft genommen wird, für das versagen einer korrupten unmoralischen elitären Minderheit. Zu dieser Erkenntnis ist Herr Schäuble noch nicht gekommen, weil er vielleicht in all den Jahren, die er auf den Planeten Bundestag und Bundesregierung zugebracht hat, den Blick für moralische und menschliche Wesentlichkeiten verloren hat.

Sobald Menschen en masse für die Werterhaltung von Banknoten ihren Lebensstandard oder gar ihr Leben einbüßen, ist an dem gesamten System etwas grundlegend faul und dann muss man in der Lage sein, dies zu erkennen und das System zu verändern. Herr Schäuble hat nicht mehr diesen Drive und steckt immer noch in der Wahnvorstellung fest, dass sich die Griechen freiwillig selbst umbringen, damit es deutschen Banken gut geht. Diese Art der starrsinnigen Politik hat bereits schon einmal den Weg für das bis dato dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte geebnet und wir wollen es nicht wiederholen. Wenn Herr Schäuble diese Zusammenhänge nicht erkennen will, dann sollte er schläunigst seinen Hut nehmen und Platz machen für konstruktivere Kräfte, die eine weitere Kreditvergabe an Griechenland an konkrete Wachstums- und Industrialisierungsimpulse knüpfen, die es physisch in die Lage versetzen, ihre Schulden abarbeiten zu können. Von nichts kommt nichts. Das müssen die Griechen erkennen, aber das muss auch die deutsche Politik erkennen. Wertschöpfung findet nun mal nicht ausschliesslich dadurch statt, dass man Geld auf ein Problem wirft, um es dann gleich wieder einzutreiben, ohne es einem produktiven Zweck zugeführt zu haben.

Es ist durchaus nicht abwegig, dass Griechenland trotz des Auslaufens der europäischen Kreditlinie und des Staatsanleihenankaufstops der EZB keine Panik haben muss. Griechenland ist keineswegs in der Situation, sich erpressen lassen zu müssen. Der EU-Austritt ist eine bestehende Option und wenn die moralisch, sowie finanziell bankrotten EU-Institutionen eine wirklich physische-reale Aufbauhilfe verweigern, dann sollte sich Griechenland als Plan B in eine direkte Kooperation mit den BRICS Nationen begeben.

Schon heute ist China in Griechenland aktiv und betreibt mit einer Konzession einen Teil des Containerhafens von Piräus, wie Panos Kammenos, der Vorsitzende der Unabhängigen Griechen und heutiger Verteidigungsminister Griechenlands, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur EIR bestätigte. Ein weiterer Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und der Eisenbahnanbindungen an den Hafen von Piräus und andere Häfen wäre solch ein wirtschaftlicher Impuls, der Griechenlands Produktivität erhöhen und auch dem Rest Europas zugute kommen würde. Die Chinesen bauen derzeit an vielen Orten der Welt Schnellbahnen, warum also nicht auch in Griechenland?

Wie Franklin Roosevelt einst seiner Bevölkerung zurief, braucht Griechenland nichts zu fürchten, als die Furcht selbst.

ADDRESS
Thomas Trautzsch   
Jacob-Michelsen-Str. 3, 07749 Jena

CONTACTS
Email: thomas.trautzsch@ars-inveniendi.com
Phone: +49 157 59 23 8449

Thanks for filling out form!