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Op-Ed - PEGIDA, der Crash und das katastrophale Ende der Ära Merkel

von Thomas Trautzsch
2015-01-19

Je ne suis pas Charlie
Je ne suis pas Charlie
viel wird geschrieben und gesagt über die Zusammenhänge und Eigenarten der PEGIDA-Bewegung, die ihren Ursprung im sächsischen Dresden wähnt und seit dem heutigen Abend bei Günther Jauch mit der Mitorganisatorin Kathrin Oertel auch ein Gesicht bekommen hat.

Man mag diesen Talk an sich vielleicht für wenig interessant, wenig konfrontativ oder produktiv gehalten haben - ich sehe darin jedoch erste Anzeichen des Endes der katastrophal gescheiterten Ära Merkel, die vergleichbar ist mit der Ära Brüning. Dies ist nicht als ein Ergebnis der PEGIDA-Bewegung zu verstehen, sondern viel mehr ist sie das Ergebnis einer mutlosen Chamäleon-Politik der kleinen Rückschritte in den Kalten Krieg, die massiv die Interessen der Bürger nach Stabilität und gleichzeitiger Nationengerechtigkeit ignoriert und versucht hat, diese bürgerlichen Grundinteressen wegzumanipulieren. In den letzten Jahrzehnten wurde das Ignorieren des Bürgerwillens zum gängigen Credo in Berlin und in Europa generell und man mag nun spekulieren, ob dies aus reiner Inkompetenz oder aus Kalkül geschehen ist.

Die Medien verbreiteten in den letzten Wochen massiv die Botschaft, dass die Pegida-Bewegung ausschliesslich anti-islamisch sei. Nun geniessen die deutschen Leitmedien spätestens seit ihrer offensichtlich einseitigen und tendenziösen NATO-lastigen Ukraine-Berichterstattung nicht den Ruf besonders objektiv zu sein. Nun, wer einmal lügt ... Deshalb ist der mündige Bürger dazu aufgerufen, sich selbst ein Bild zu machen. Verfolgt man die Berichterstattungen in den öffentlich-rechtlichen und auch andernorts, dann fällt auf, dass zwar immer Interviews mit Leuten geführt werden, die sich kritisch gegenüber dem Islam, bzw. dessen Ausbreitung in Deutschland äussern. Beobachtet man jedoch die Banner und Plakate von vorbeilaufenden Demonstranten in diesen Beiträgen, dann fällt oft auf, dass darauf kaum Meinungen und Slogans zu sehen sind, die einen Bezug zum Thema des Anti-Islamismus haben. Da ist ein Banner zu sehen, bei dem gefordert wird, die westliche Aggression gegen Russland einzustellen, ein anderes fordert die Abschaffung der GEZ-GEbühren, weitere Demonstranten sind generell unzufrieden mit Frau Merkels Politik der unausgewogenen Nähe zur aggressiven NATO, ein weiteres Banner prangert die ungelösten Probleme der Bankenkrise an, usw. usw ... Die Bandbreite der Frustation ist offensichtlich sehr sehr groß, weswegen von Seiten unseres politischen Establishments die durchaus berechtigte Sorge besteht, das die PEGIDA-Bewegung als Sammelbecken sämtlicher Dinge, die in Deutschland seit dem ersten Amtsantritt Merkels so sagenhaft falsch gelaufen sind, einen ungebrochenen Zulauf haben wird, den man nun versucht, mit den üblichen medialen manipulativen Mitteln zu unterbinden. Das geschieht durch die Stigmatisierung dieser Bewegung als hauptsächlich Islam- und fremdenfeindliche Organisation, obwohl laut einigen Studien der durchaus existente Anteil dieses Klientels als gering einzustufen ist.

Man mag nun spekulieren, ob die Terrorwarnung, aufgrund derer die Demonstration diesen Montag ausgesetzt wurde, eine echte ist, oder ein Fake, die Folge wird auf jeden Fall sein, dass die anhaltende Dynamik des PEGIDA-Zulaufs vorerst aufgeschoben wird. Inwieweit dies Auswirkungen auf die weiteren PEGIDA-Demonstrationen haben wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall wird damit zu rechnen sein, dass weitere öffentliche Gründe präsentiert werden, um die Bewegung an der öffentlichen Versammlung zu hindern.

In meinen Augen wurde durch die fremdenfeindliche Saat, die Thilo Sarazin mit seiner Buch-Tour zu "Deutschland schafft sich ab" vor mehreren Jahren gelegt hat und mit dem darin ausgedrückten Anti-Islam-Stigma, nun ein Aufhänger gefunden, der eher Eingang in die Geister der Bürger findet, als weitaus moralischere Appelle an die Vernunft im Umgang mit Russland und der Rückkehr zu einer kooperativen, fortschrittlichen und anti-hegemonialen Politik der USA. Dieser Aufhänger war eines der wenigen Themen, welche die Bürger direkt betreffen und welches sie am einfachsten nachvollziehen können. Dies ist ein sehr gefährliches Spiel mit dem Feuer.

Vielerorts prangern Personen verschiedenster Bürgerbewegungen die Tatsache an, dass der deutsche Michel schläft und in einem Trance-ähnlichen Zustand Dinge mit sich geschehen lässt, die kaum wahrgenommen werden und dennoch so unglaublich unmoralisch sind. Die Mobilisierung der Bürger über kleine Themen, die allesamt eigentlich nur logische Folgen des Fehlverhaltens der westlichen Nationen auf globaler Ebene sind, drücken die Tatsache aus, dass es eben diese kleinen Themen sind, welche die Bürger direkt betreffen, die solch eine Massenstreikdynamik auslösen, ohne das die Teilnehmenden dabei wirklich die zugrundeliegenden Ursachen und Zusammenhänge sehen und lediglich Instinkten folgen. Ob die Organisatoren von PEGIDA in dieser Kategorie gedacht haben mag zu bezweifeln sein, auf jeden Fall haben sie es geschafft einen Funken zu streuen. Ob dieser Funke in ein zerstörerisches Feuer mündet wird im Wesentlichen davon abhängen, wie die Menschen der PEGIDA Demonstrationen und die Politik miteinander umgehen. Die Medien werden dabei eine wichtige Rolle spielen und es sei um des Friedens in Deutschland und Europas Willen gewünscht, dass diese zu ihrer eigentlichen gesellschaftlichen Rolle der vorurteilsfreien objektiven Berichterstattung zurückkehren und den Bürgern das Gefühl vermitteln, gehört und nicht unterdrückt, bzw. falsch dargestellt zu werden. Vieles wurde durch die NATO-dominierte unverständnisvolle Medienrehtorik und -ignoranz in den letzten Jahrzehnten zerstört. Je mehr die Medien auf diese Bewegung einschlagen und sie mit der Verdrehung von Tatsachen zu unterdrücken suchen, desto stärker wird sie wachsen, denn die offensichtliche Stigmatisierung ist ein unmissverständliches Signal der Schwäche unserer politischen Führung und unseres gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozesses im Allgemeinen.

Die Zulaufraten der PEGIDA-Bewegung stiegen in den letzten Wochen exponentiell an. Allein diese Tatsache birgt die Charakteristiken eines AUfbegehrens einer Bevölkerung, die zunehmend ihre Angst vor dem offenen Ausdruck ihrer bisher Unterdrückten Ansichten verliert. Dabei wurde oft versucht, das Phänomen zu erklären, dass ausgerechnet Dresden als Stadt, die einen kaum nennenswerten Anteil islamischer Mitbürger hat, den Boden für die Pegida-Bewegung darstellt. Nun, wenn man nachdenkt ist das eigentlich nicht verwunderlich:

1.) Wie schon oben genannt geht es bei Pegida nicht vorrangig um das Anti-Islam-Thema, sondern um eine ganz breit gefächerte Palette von bürgerlichen Ängsten, die viele Schichten der Gesellschaft betreffen und die ihren stärksten Ausdruck in den ehemals ost-deutschen Bundesländern finden. Den Ostdeutschen, ganz ähnlich, wie den Russen, wurde zur Wende vom Westen etwas versprochen, was nicht gehalten wurde. Blühende Landschaften und ein florierendes Wirtschaftswunder. Stattdessen bekamen sie De-Industrialisierung und eine daraus folgende massive Entvölkerung als Effekt einer geostrategisch motivierten Politik des Unterdrückens des Aufbaus anhaltender intensiver eurasischer Wirtschaftsverbindungen. Man kann sich an einer Hand ausrechnen, dass diese Folgen nicht unbedingt eine Reduktion des unterschwelligen Nazi-Pontentials in diesen Gebieten darstellte.

2.) Die Ostdeutschen sind schlauer als die Westdeutschen. Sie sind in den Dingen, welche die Manipulation der öffentlichen Meinung angehen weit empfindsamer als ihre westdeutschen Mitbürger, die in ihrer einstigen vermeintlichen Freiheit unter dem Dogma des Kongresses für kulturelle Freiheit keine Sensorik für öffentliche Unwahrheiten entwickeln konnten. Insofern nehmen die Ostdeutschen es eher war, wenn man versucht, ihnen ein X für ein U zu machen. Irgendwann werden die Westdeutschen ebenfalls das Ausmass der Dinge erfassen und aus den richtigen Gründen auf die Strasse gehen.

Leider Gottes ist es immer so, dass derartige Massenbewegungen selten von einer von allen erfassten validen moralischen Rationale ausgehen, sondern von Instinkten, die zwar ihre Berechtigung haben, die jedoch auch die große Gefahr bergen, in die Irre geleitet zu werden, weil ihnen die vollwertige historische und moralische Grundlage fehlt. Das Potential, dass die gesamte Pegida-Bewegung in eine animalische feindseelige Richtung einschlägt ist durchaus existent und man befindet sich zu diesem Zeitpunkt an einem Scheideweg.


Je ne suis pas Charlie.

In diesem Zusammenhang sei meinerseits auch Stellung bezogen zu den Vorfällen von vor 2 Wochen in Paris, als französische Anhänger der ISIS die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo überfielen und dort 12 Menschen töteten, unter ihnen mehrere Zeichner und Redaktuere.

Charlie Hebdo's Art und Weise der Satire, die oft eine für Muslime unakzeptable Darstellung ihres Propheten Mohammed heranzieht, begeht bei der Verwendung des Abbildes des Propheten, einen großen Fehler der quasi die gesamte islamische Religion über einen Kamm schert, währed der extreme wahhabisch geprägte Teil des Islam, der maßgeblich die Verantwortung für den von Charlie Hebdo und der Öffentlichkeit im allgemeinen angegriffenen Terror der ISIS, Al-Kaida, al-Nusra usw. die Verantwortung trägt, dabei nicht isoliert dargestellt wird. Hätte Charlie Hebdo seine Hausafgaben gemacht, und ordentlich recherchiert, dann müssten sie im Zusammenhang mit dem ISIS-Terror auschliesslich die Saudische Königsfamilie, Großbritannien und die USA und deren Großbankensystem auf ihr satirisches Korn nehmen, zumal es diese Institutionen sind, die diesen Terror aktiv heranziehen und finanziell massiv unterstützen.

Natürlich ist der Gewaltakt auf das Schärfste zu verurteilen. Jedoch habe ich das Gefühl dass die Menschen bei der Charlie Hebdo Redaktion völlig umsonst gestorben, sind, weil sie aufgrund ihrer Uninformiertheit nicht die Ursachen des eigentlichen Problems attackiert haben, sondern sich für die Herbeiführung des Clashes of Civilizations instrumentalisieren lassen, anstatt den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen.

Der Anschlag auf Charlie Hebdo trägt auch noch eine andere Dimension, auf die zuerst durch die fähigen Leute bei LaRouchePAC.com öffentlich hingewiesen wurde. Ca. 2 Wochen vor dem Anschlag besuchte Francois Hollande den russischen Präsidenten Putin in Moskau und äusserte danach als einziger Führer der europäischen Staatengemeinschaft öffentlich die Ansicht, dass die Sanktionen gegen Russland ein Ende finden müssen. In Expertenkreisen wird der Anschlag auch als Warnung für Hollande von eben jener oben genannten Terror-Unterstützungsklientel gesehen, sich wieder in den Chor derjenigen einzureihen, die die Sanktionen gegen Russland aufrecht erhalten und sogar ausweiten wollen.
Irgendwie erklärt dies auch die irrationale Handlungsweise der meisten der europäischen Staatsführer, die bis auf wenige Ausnahmen im Hinblick auf die Ukraine auf dem rechten Auge komplett erblindet zu sein scheinen und jegliche Aggression der NATO, selbst unter Instrumentalisierung nationalsozialistischer Gruppierungen in der Westukraine willenlos hinzunehmen scheinen. Ich würde vermuten, dass es nicht abwegig ist, dass der Charlie Hebdo Vorfall in Berlin stattgefunden hätte, wenn Frau Merkel eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland gefordert hätte. Angst ist stets ein schlechter Berater und Frau Merkel sollte sich am Geist der französischen Bevölkerung ein Beispiel nehmen, die sich nicht in die Zivilisations-Zusammenstoß-Falle hat treiben lassen und in der größten Demonstration der französischen Geschichte nationale Einheit und Stärke unter der spontanen Einbeziehung aller in Frankreich vorhandenen Ethnien zeigte.

Wenn Frau Merkel nicht von der Unterstützung des völlig ungerechtfertigten NATO-Aggressionskurses ablässt, wird sie vermutlich ihre Amtszeit nicht vollenden. Frau Merkel ist eine Macht-Person. Natürlich wird sie versuchen, ihren Abgang mit etwas zu rechtfertigen, was entweder die Berufung zu etwas Höherem oder etwas Tragischem darstellt. Das ist nur die Oberfläche. Den bevostehenden turbulenten Zusammenbruchsereignissen wird sie zu entgehen versuchen, weil dies ihrer Ruferhaltung schaden würde. Es gibt Gerüchte in der deutschen Presse, die besagen, dass Frau Merkel das Amt des UN-Generalsekretärs übernehmen und damit ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Kanzleramt rechtfertigen will. Das wurde laut vielfachen Berichten auch ihr USA-höriges Verhalten erklären, was moralisch natürlich völlig unakzeptabel ist. Ihr frühzeitiges Ausscheiden würde Sigmar Gabriel in die Kanzlerschaft spülen, der in der Russlandfrage eher auf Deeskalation anstatt auf Konfrontation setzt. In dieser Frage wird abzuwarten sein, wie die Wahl in Griechenland ausgeht und ob es erwartungsgemäß Alexis Tsipras von der Syriza sein wird, der die maßgebliche Rolle in einer zukünftigen griechischen Regierungsbildung spielen wird.

Mit Tsipras und Gabriel würden 2 Figuren an den Schalthebeln der Macht sitzen, die beide schon einmal etwas von Glass-Steagall gehört haben, wobei Tsipras davon mehr zu verstehen scheint als Gabriel. Einer Deeskalation gegenüber Russland stünde mit dem Ausscheiden Merkels nichts mehr im Wege, zumal Deutschland dabei der entscheidende Faktor in der gesamteuropäischen Haltung sein dürfte. Zwei wesentliche Voraussetzungen zur Vermeidung eines 3. Weltkrieges und zum Wiederaufbau der Eurasischen Wirtschaft könnten damit geschaffen werden.

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