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Chodorkowski's Rolle bei der geplanten "Weissen Revolution" in Russland

von Thomas Trautzsch
2015-01-06

Michail Chodorkowski - By ???? ??????????? (Mitya Aleshkovskiy) (Facebook of Mitya Aleshkovsky) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Michail Chodorkowski - By ???? ??????????? (Mitya Aleshkovskiy) (Facebook of Mitya Aleshkovsky) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Ein Kommentar zu Julia Ioffes Artikel "Fernsteuerung - Kann ein Oligarch im Exil Russland überzeugen, dass Putin gehen muß?"

Der Huffington Post Originalartikel

In einem Artikel der Huffington Post, welcher für die Ausgabe am 12. Januar 2015 verfasst wurde, zeichnet die Autorin Julia Ioffe ein zwiespältiges Bild des Michail Chodorkowski als geläuterten russischen Oligarchen, der auf der einen Seite nach der Freilassung von seiner 10-jährigen Inhaftierung 2013 auf der Basis seiner ehemaligen Alpha-Privilegien wieder in die Politik einsteigen will, mit dem klaren Ziel, seinen erklärten Widersacher Wladimir Putin aus dem Amt zu drängen, jedoch auf der anderen Seite auch als einen höchst volatilen Mann, welcher der Zeit hinterher zu eilen scheint und möglicherweise seine eigenen Fähigkeiten überschätzt. Obwohl der Artikel eine nicht unzweckmäßige Nähe der Autorin zu Chodorkowski erkennen läßt, kann man jedoch nicht sagen, dass er eine emphatische Unterstützung für den aufzubauenden so genannten Oppositionellen darstellt. In ihm kommen eher starke Zweifel zum Ausdruck, ob Chodorkowski das zu leisten vermag, was das anglo-amerikanische Establishment von ihm möglicherweise erwartet: die Organisation einer "Weissen Revolution" in Russland nach dem Vorbild all jener Gene-Sharp-Style Farbigen Revolutionen, die mittlerweile die gesamte russische Peripherie in das ökonomische, sowie das politische Chaos gestürzt haben. Die Kreise, welche die Autorin zu unterstützen scheint, stellen die vielerorts namentlich erwähnte russische Opposition dar, die infolge der jakobinischen Ereignisse und Revolutionen um Russland herum in der Tat in ihren Aktivitäten stark eingeschränkt wird, um aus Putins Sicht das Szenario zu verhindern, welches in der Ära nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion unter Jelzin an Chaos und Raubbau am Rest der noch vorhandenen russischen Wirtschaft stattgefunden hat. Die liberale russische Opposition, welche den Zustand ihrer argen Minderheit ausschließlich auf Putin's "Repressionsmethoden" zurückzuführen scheint, organisiert um so agiler im Ausland. Es werden Parallelen gezogen zwischen Lenins Aufenthalt in Paris und Zürich oder Trotzkys Wirken in Wien. Beiden ist gemein, dass sie Produkte britischer Geheimdienstoperationen (Stichwort Alexander Helphand Parvus) waren mit dem Zweck, eine geostrategische Situation zu schaffen, in der es niemals dazu kommen würde, dass die USA und Russland miteinander auf Gebiet wirtschaftlicher Entwicklung kooperieren würden, was das Vereinte Königreich samt seiner Monarchie obsolet machen würde, und das ganze im Kontext eines aufziehenden Krieges.

Die heutige Lage ist ähnlich und die Gründe dafür sind es auch. Angesichts der Tatsache, dass die Machtverhältnisse in Russland ganz klar zu Gunsten Putins liegen und die im Artikel aufgeführte Opposition entgegen der westlichen Mediendarstellung eine untergeordnete Rolle spielt, setzt der Westen alles daran, die Bedingungen für einen Putsch zu schaffen. Die Sanktionen gegen Russland stellen eine Phase in diesem Prozess dar, bei dem es nicht wirklich um die Ukraine geht, sondern um die Zerstörung Russlands. Der westlichen Finanzoligarchie rennt dabei die Zeit weg, denn das westliche Finanzsystem ist seinem Ende näher, als es viele annehmen mögen. Die folgende Grafik illustriert den Grund.

Die Verbriefungsmarktblase

Der Hauptteil der ausstehenden Schulden besteht aus so genannten Derivaten oder zu deutsch Verbriefungen, deren nominaler Wert weltweit bereits 1.5 Billiarden US$ übersteigt, deren physisch relevanter Wert jedoch nicht einmal dem des Papiers nahekommt, auf dem sie gedruckt sind. Dies sind Schulden, für die ein Mehrfaches des Bruttosozialproduktes der gesamten Welt nicht ausreichen würde, um sie zu begleichen. Es bedarf nur eines Auslösers, wie z.B. des Euroaustritts Griechenlands, um diese Blase zum Platzen zu bringen. Solchen Ausweglosen Situationen eines spekulativen Finanzwesens entgegnete die primär am Machterhalt interessierte Oligarchie in der Vergangenheit stets mit dem Anstiften von Krieg und Zerstörung, zum Zweck einer gesellschaftlichen Reorganisation, nach welcher diese weiterhin die Oberhand behalten würde.

Ein weiterer Grund besteht im wirtschafltichen Aufstreben des BRICS-Nationenverbundes, den die westlichen Medien versuchen, massiv zu verschweigen. 2014 beschlossen die Nationen Brasiliens, Russlands, Indiens, Chinas und Südafrikas die Erschaffung einer eigenen Entwicklungs und Aufbaubank, die nicht wie der IWF auf der Logik der Schuldenzwangsjacke und wucherischer progressiver Zinsarithmetik basiert, sondern im Rahmen eines Hamiltonschen Kreditsystems Wertschöpfung für physisch-wirtschaftliche Aufbauprojekte betreibt. Wir befinden uns heute, ähnlich wie 1914, in einer Thukydides-Situation, bei der das transatlantische System im Abschwung und das eurasische System im Aufschwung begriffen sind. Das transatlantische System, bestehend aus den USA und der EU sind dabei ein sehr schlechter Verlierer.

Welche Rolle spielt nun Chodorkowski?

Chodorkowskis einstiger unglaublicher Betrug an der russischen Bevölkerung in der Post-Jelzin-Ära wird in kurzer und prägnanter Form in Ioffes Artikel wiedergegeben, jedoch in einem Licht, in dem die Leser, die es nicht besser wissen, leicht geneigt sind, die begangenen Verbrechen zu verzeihen und in ihm einen Leidenden sehen, dem Ungerechtigkeit widerfahren ist. Man versucht den Eindruck zu vermitteln, dass sein Image als raubender Oligarch, welches er in der Mehrheit der russischen Bevölkerung inne hat, nichts weiter als ein Label sei, wofür er, Chodorkowski, längst bezahlt hat. Nichts ist weiter weg von der Wahrheit, als diese Annahme. Der Schaden, den die Ära der Oligarchen in den 15 Jahren nach dem Kollaps der Sowjetunion in der russischen Wirtschaft und der russischen Seele angerichtet hat ist für viele Russen unverzeilich. Angesichts der massiven wirtschafltichen Effekte, die den meisten Russen, die diese Zeit erlebt haben noch lebhaft in Erinnerung sind, ist es nicht verwunderlich, dass Chodorkowski nur eine limitierte Popularität in Russland genießt. Dem wird Ioffe auch gerecht.

Würde die Mehrheit der Russen einem Oligarchen mit dieser Historie vertrauen? Unter den derzeitigen Umständen erscheint das sehr unwahrscheinlich. Das wirft die Frage auf, welchen Wert Chodorkowski dann für die russische "Opposition" und deren Unterstützer aus dem Westen hat. Ioffes Beschreibung nach bekommt man den Eindruck, als wäre Chodorkowski für diese Kreise entbehrlich, was durchaus Raum für Spekulationen über ein massives spektakuläres Ereignis zulässt, welches das Potential hat, eine Putsch-Situation in Russland oder seiner Peripherie herbeizuführen. Es wäre nicht der erste Krieg, der seinen Auslöser in der inszenierten Ermordung einer Persönlichkeit des Öffentlichen Lebens fände, für die man offiziell die Falschen beschuldigt. Wir befinden uns definitiv in einer Zeit in der dies sehr wahrscheinlich ist.

Sarajevo 1914

Neben Chodorkowski wird ebenfalls der "Oppositionelle" Navalni in den Westlichen Medien in das Rampenlicht gerückt. Der Anti-Korruptionsaktivist hätte sicher ein größeres Popularitätspotential als Chodorkowski, aber auch ihm fehlt die mehrheitliche Grundlage aufgrund des liberalen Bezugs, der seine Brücken immer wieder zurück zu den grausigen Erfahrungen der Jelzin-Ära schlägt. Ohne den vom Westen angestrebten Putsch bliebe auch er eine Randfigur.

Die Frage, die sich dem vernünftigen Beobachter dabei stellt, ist, wie kommt man aus diesem Teufelskreis der westlichen Aggressionen und den darauf folgenden russischen Reaktionen wieder heraus? Die Antwort liegt in der Aktivität der Bürger im Westen, die erkennen müssen, dass die Fortführung eines Weltwirtschaftssystems, welches ausschließlich auf geostrategischen Erwägungen basiert keine Zukunft hat, weil dies im Zeitalter der Nuklearwaffen die Auslöschung der menschlichen Zivilisation bedeutet. Russland ist hier in einer reagierenden Rolle, während die Aggression vom Westen ausgeht, deren Dynamik vom zusammenbrechenden westlichen Finanzsystem getrieben wird. Politisch vernünftige Kräfte in den USA müssen erkennen, dass eine Lösung der Derivatschuldenfrage durch die strikte Anwendung des Glass-Steagall Gesetzes die unausweichliche Voraussetzung für den Schutz und die Versorgung der Bevölkerung ist und im Zusammenspiel mit einer Kooperation der USA mit den BRICS-Staaten den bevorstehenden Krieg abwenden kann. Davon ist in Ioffes Artikel nichts zu lesen. Blindes Vertrauen in das Funktionieren der MAD-Doktrin der gegenseitig garantierten Zerstörung ist angesichts der wachsenden Verzweiflung der äußerst manipulativen Finanzkreise eine äußerst riskante Position mit unabsehbaren Folgen, die um jeden Preis vermieden werden sollte.
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Thomas Trautzsch
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