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Putin-Berater beschreibt Russlands Spielplan gegen das Imperium

von Sergej Glasjew
2016-04-05
Sergej Glasjew

Der Autor Sergej Glasjew ist ein prominenter Ökonom, Berater des russischen Präsidenten für regionale wirtschaftliche Integration und der Geist hinter der Eurasischen Wirtschaftsunion.

Gibt es irgendwelche Gründe, die Aufhebung der amerikanischen Sanktionen zu erwarten?

Die Sanktionen sind ein Element des Hybrid-Krieges, den die USA gegen uns führt. Sie tun dies nicht, weil sie Russlands "Annexion" der Krim nicht mögen, sondern wegen eines objektiven und subjektiven Interesse des amerikanischen Establishments.

Die USA verliert seine Hegemonie: sie produziert bereits weniger Produkte und exportiert weniger Technologie als China. China holt ebenso auf bei der Anzahl der Wissenschaftler und Ingenieure und viele chinesische Technologien drängen auf die Weltmärkte. Chinas Entwicklungsrate ist fünf mal so hoch, wie die der USA. Das internationale System der wirtschaftlichen Einheiten das kürzlich in China in das leben gerufen wurde, ist beispielhaft für die neue Weltwirtschaftsordnung.

Die wirtschaftlichen Einheiten, welche die USA dominieren, dienen einer Finanzoligarchie und haben das amerikanische Finanz- und Geldsystem destabilisiert, das ungefähr 2 mal pro Jahr bankrott geht. Die Ursachen der globalen Finanzkrise von 2008 sind nicht aus der Welt geschafft worden und die amerikanische Schuldenblase - Finanzpyramiden, die sich aus Derivaten und nationalen Schulden zusammensetzen, wachsen weiter an.

Nach den Gesetzen der Systemtheorie kann dieser Prozess nicht ewig weitergehen. Die amerikanische Oligarchie ist verzweifelt dabei, seine Schuldenlast loszuwerden, weswegen sie einen Hybridkrieg nicht nur gegen Russland, sondern gegen Europa und den Nahen Osten durchführen.

So, wie es immer passiert, wenn sich die wirtschaftliche Weltordnung ändert, das Land, welches seine Führungsrolle verliert, versucht einen Weltkrieg anzuzetteln, um die Peripherie zu kontrollieren. Da die Amerikaner die ehemaligen Sowjetsphären als ihre finanzielle und wirtschaftliche Peripherie betrachten, versuchen sie, dort die Kontrolle zu erlangen.

Das amerikanische politische Establishment wurde in den Schimären der Geopolitiker des 19. Jahrhunderts aufgezogen. Amerikanische Studenten lernen grundlegende englische und deutsche geopolitische Ideen dieser Zeit in ihrem Unterricht der Politikwissenschaften. Die Frage, um die sich damals alles drehte war, wie man das Russische Reich ruinieren könnte und sie schauen immer noch mit den Augen der Kriegsfalken des 19. Jahrhunderts auf die Welt, als Großbritannien versuchte, seine Hegemonie zu behaupten und dafür den 1. Weltkrieg vom Zaun brach, nur um danach ihr Kolonialreich nach dem 2. Weltkrieg zu verlieren.

Das ist es, was amerikanische Geopolitiker im Außenministerium und im Weißen Haus studieren, um weiterhin auf die Welt durch das Prisma des Kalten Krieges und britischer Konfrontationen mit Russland und Deutschland im 19. Jahrhundert zu schauen, und nun brechen die USA einen weiteren Weltkrieg vom Zaun.

Die Kombination der objektiven Probleme der amerikanischen Finanzoligarchie und die seltsame Geisteshaltung amerikanischer Geopolitiker drohen in einen neuen weltweiten Konflikt zu münden. Das hat nichts mit der Krim zu tun. Jeder Grund könnte dafür zu Rechtfertigung herangezogen werden.

Wir müssen im Rahmen der Widersprüche, welche die USA in eine aggressive Haltung mit dem Risiko eines hybriden Krieges mit der ganzen Welt führen, agieren. Sie haben Russland als ihr Hauptziel ausgewählt und die Ukraine, die von ihnen okkupiert wird, als ihr Hauptwerkzeug der Zerstörung.

Um unter diesen Bedingungen zu überleben und um unsere Souveränität zu behalten, sowie unsere Wirtschaft zu entwickeln, müssen wir eine breite anti-militärische Koalition aufbauen, unsere priorisierte Entwicklungsstrategie verfolgen, unsere finanzielle und wirtschaftliche Souveränität wieder herstellen und eine Eurasische Integration vorantreiben. Um Krieg zu verhindern müssen wir das Ziel des Präsidenten, einer gemeinsamen Entwicklungszone von Lissabon bis Wladiwostok, realisieren. Es ist sehr wichtig, dass wir unsere europäischen Partner und auch unsere Partner im Fernen Osten und im Süden davon überzeugen, dass wir kooperieren müssen, nicht durch Erpressung und Drohungen, sondern durch gemeinsame nützliche Projekte, die unser wirtschaftliches Potential verbinden, während die Souveränität eines jeden anderen Staates respektiert wird.

Können wir die Beziehungen zur EU wieder reparieren und wie?

Um die Kooperation mit der Europäischen Union wieder zu beleben, müssen wir deren Souveränität wieder herstellen. Der Anblick von europäischen Politikern unter den Mengen von Nazis beim Euromaidan zeigte, wie sehr die Europäische Kultur degradiert ist. Die EU-Führung ist nicht unabhängig; sie sind US-amerikanische Marionetten.

Die amerikanischen Medien dominieren Europas politischen Raum, betten anti-russische Schimären in das Bewusstsein der Menschen, und schüchtern sie mit einer so-genannten russischen Bedrohung ein. Ihre Politiker sind gezwungen mit der Medienlinie mit zu schwimmen, um Stimmen zu gewinnen. Das hat zu der Katastrophe geführt, die wir heute in Brüssel und anderen europäischen Städten sehen können, die von der Angst ergriffen sind, da die Regierungen nicht in der Lage sind, Sicherheit zu garantieren.

Unglücklicherweise kann die europäische Souveränität nicht einfach durch einen Neustart des sozialen Bewusstseins wieder hergestellt werden. Die Probleme entstanden nicht aus heiterem Himmel, sie sind das Ergebnis einer europäischen politischen Klasse, die ihre nationalen Interessen aufgegeben hat. Europa sieht sich einer sehr schwierigen Periode der Veränderungen gegenüber, bei der es noch kein Partner, sondern lediglich Washingtons Schatten ist.

Die Europäer haben ihren Richtungssinn verloren. Sie leben in einem Mosaik, einer fragmentierten Welt, die keine geteilten Beziehungen hat. Aber das Leben wird sie wieder in die Realität zurückdrängen und ich glaube, dass letztendlich europäische demokratische Traditionen und Humanismus wieder vorherrschen werden.

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Thomas Trautzsch   
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