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Wir könnten Zeuge eines großen Richtungswechsels in der westlichen Narrative über Russlands Syrien-Politik werden

von Danielle Ryan
2015-11-21
Danielle Ryan

Vor einem Jahr verließ Wladimir Putin den G20 Gipfel in Brisbane früher, nach einer Barrage der Kritik und Augenbrauenverziehens westlicher Führungspersönlichkeiten.

Der ehemalige kanadische Premierminister Stephen Harper konnte sich nur gerade so überwinden, seine Hand zu schütteln. Der Premierminister des Vereinigten Königreichs David Cameron verhöhnte ihn öffentlich vor Reportern. Der Gastgeber, der ehemalige australische Premierminister Tony Abbot machte eine große Show daraus, wie er plante, Putin mit einen T-Shirt Aufdruck direkt zu konfrontieren.

Die Mainstream-Medien, die erwartungsgemäß von dieser offensichtlichen Bestätigung Russlands erfolgreicher Isolation hocherfreut waren, klopften sich schnell gegenseitig auf die Schultern. Job erledigt. Niemand muss auf Russland hören, richtig?

Spulen Sie nun vor, zum diesjährigen G20 Gipfel in Antalya in der Türkei. Welch einen Unterschied ein Jahr ausmacht. Die sorgfältig abgepassten Schnappschüsse eine verloren wirkenden russischen Präsidenten, der keinen Gesprächspartner am Frühstückstisch hat sind Vergangenheit. Stattdessen sind westliche Führer diese Woche durch eine Serie ihrer eigenen geopolitischen Miskalkulationen dazu gezwungen, Russland als Partner zu behandeln anstatt als Vollzeit-Bösewicht, ob sie es mögen oder nicht.

Paris-Attacken waren ein Weckruf für den Westen
Wie ein Kartenhaus begann die westliche Narrative nach den tragischen Terrorattacken in Paris letzten Freitag zusammenzufallen.

Am Sonntag erzählte der ehemalige stellvertretende CIA-Direktor Michael Morell CBS, dass es "kristallklar sei", dass die US-Strategie vis-avis ISIS "nicht funktioniert". Weiterhin sagte er, dass es an der Zeit wäre, zu erwägen, dass Baschar al-Assad Teil einer Lösung sein könnte, in der die USA und Russland, zusammen mit der syrischen Armee und anderen internationalen Partnern zusammen ISIS bekämpfen würde.

Erst am Montag sagte der derzeitige CIA Chef John Brennan in einer Rede beim Center for Strategic and International Studies in Washington, dass es unumgänglich sei, dass die USA und Russland ihre Kooperation beim Kampf gegen den Terrorismus stärken müssen.

Ein paar Stunden später positionierte sich der französische Präsident als Mittelsmann für US-Russische Kooperation in Syrien und sagte seinem Parlament, dass Frankreich immer noch gegen Assad sei, "unser Gegner in Syrien aber ISIS sei". Diese Aussagen folgten vorangegangenen Kommentaren von Barack Obama und David Cameron, die zu einer neuen Offenheit im Sinne eines Kompromisses mit Moskau rieten, was eine bemerkenswerte ozeanische Änderung nach 4 Jahren eingefrorenen nicht existierenden Fortschritts für Syrien.

Wie werden die Medien reagieren?

Dies ist ohne Zweifel ein verwirrender Moment für viele Mainstream Medien, die Jahre damit zugebracht haben, die Linie nachzuplappern, dass Russlands außenpolitische Motive immer bösartig und schlecht seien, und unablässig und ohne Hinterfragung jegliche Äußerungen des Kremls niedergemacht haben, egal wie konfrontationsorientiert oder freundlich sie dabei agierten.

Erinnern Sie sich daran, dass viele einflussreiche westlichen Medien-Outlets ihre Leser und Zuschauer während der ersten Wochen der Russischen Bombardierungskampagne bewusst irreführten, indem sie behaupteten, dass Russland überhaupt nicht ISIS bekämpfen würde. Einige gingen sogar so weit, die absolut absurde Behauptung aufzustellen, dass Russland durch das Abzielen auf Nicht-ISIS Rebellen als ISIS' de-facto Luftwaffe dienen würde.

Als klar wurde, dass Russland beide, ISIS als auch eine Reihe anderer anti-Assad Truppen bombardierte, war das Ergebnis ein Wirbel peinlicher Meinungsartikel, die versuchten, Al-Kaida nahestehende Rebellengruppen zu verteidigen, die als "Moderate Rebellen" bezeichnet wurden - wobei wenig Aufmerksamkeit darauf verwendet wurde, dass zumindest einige dieser sogenannten "Moderaten Rebellen" einen ähnlichen Hang zum Enthaupten ihrer Gegner und dem Einsperren von Frauen in Käfigen haben, um sie als menschliche Schutzschilde zu benutzen. Der Tiefpunkt war wahrscheinlich erreicht, als ein Artikel der New York Times die "relativ säkulare" Freie Syrische Armee dafür verteidigte, dass sie mit Al Nusra zusammen kämpfte - einem syrischen Ableger von Al-Kaida - einfach, weil diese sich dabei ein wenig schlecht fühlte.

Die "Russland hilft der ISIS" Narrative wurde weiterhin durcheinander gebracht, nachdem ein russisches Flugzeug vor zwei Wochen auf tragische Weise im Sinai durch eine vermutete ISIS-Bombe zum Absturz gebracht wurde. Aber selbst dann war der Westen nicht willens zurückzustecken. Während eine Flut der Sympathie für die Opfer durch normale Menschen ausgelöst wurde, verbreiteten die Medien sinngemäß, dass Russland nur das bekommen hat, was nach dem Eingreifen in Syrien kommen musste. Interessanterweise gab es diesen Ansatz überhaupt nicht nach den Paris-Angriffen, trotz Frankreichs eigenem Eingreifen. Es ist bemerkenswert, dass es einfach nur Rache für einen Eingriff sei, die erwartet werden konnte, wenn Russland ISIS attackiert - aber wenn sie den Westen angreifen, ist es ein schrecklicher Akt des Terrorismus, für den es keine Basis gibt.

Jetzt, nach den letzten Serien von Angriffen in Paris und die offensichtliche neue Bereitshaft, mit Putin zusammenzuarbeiten, müssen die unermüdlichen Anstrengungen, Russland als den ewigen Bösewicht der Syrienkrise hinzustellen neu evaluiert werden. Während es sehr wahrscheinlich ist, dass wir einen bedeutsamen Wechsel in der Berichterstattung sehen werden, die wahrscheinlich ein neues Cheer-Leading für die vorgeschlagene internationale Koalition gegen ISIS einschließen wird, erwarten Sie nicht von den Mainstream-Medien, sie daran zu erinnern, dass Moskau diese Koalition seit über 2 Monaten vorgeschlagen hat und dabei auf taube Ohren gestoßen ist und von Washington direkt abgelehnt wurde und von den selben Journalisten und Analysten beschimpft wurde, die nun ganz plötzlich den Gedanken an eine Kooperation angenehmer empfinden.

Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass westliche Outlets versuchen werden, diese aktuellsten Entwicklungen so hinzudrehen, als ob der Westen sich entschieden hätte, Russland aus der Kälte "hereinzulassen". Tatsache ist, dass diese Linie sich bereits abgetragen hat - jedoch ist es ein solch verzweifelter Versuch, ein gesichtswahrender Dreh, dass er es fast nicht wert ist, erwähnt zu werden.

Den Öffentlichkeitskrieg gewinnen, oder einfach nur an die Vernunft appellieren?

Vor den Paris-Angriffen warnten einige Analysten besorgt davor, dass Putin den "PR-Krieg" in Syrien gewinnen würde. Infolgedessen schaut Moskaus Artikulation seiner Position weniger wie PR und eher nach einem Appell an die Vernunft aus.
Um eine Untertreibung zu wagen: Es ist deprimierend, dass 132 unschuldige Menschen in Paris sterben mussten, bevor Obama, Cameron und deren Verbündete bemerkten, dass Russland ein unverzichtbarer Partner im Kampf gegen ISIS sein könnte und dass die Unstimmigkeiten über das Schicksal von Assad nicht der Altar sein sollten, auf dem das Land Syrien geschlachtet wird.

Wenn nur diese Erkenntnis bereits im Jahr 2010 hätte gewonnen werden können, als die syrische Regierung den westlichen Mächten eine Chance anbot sich zusammenzuschließen und ISIS zu bekämpfen. Oder 2012, als Russland gerüchteweise dem Westen einen Deal anbot, der vorgesehen hätte, dass Assad zurücktritt als Teil eines breiteren Friedensabkommens.

Stattdessen, wurde sturköpfig am "Assad muss gehen" festgehalten; ein Wunsch nach Regimewechsel, koste es was es wolle, unter der Maske der humanitären Fürsorge, während die syrischen Opferzahlen in die Hunderttausende anstiegen und ISIS das Chaos nutzte, seine giftigen Tentakel weit auszustrecken.

Der Fortschritt, der beim G20 Gipfel diese Woche in Antalya gemacht wurde, sieht vielversprechend aus, zumindest dahingehend, dass es einen ersten Hoffnungsschimmer gibt, dass alle Seiten nun erkennen, was auf dem Spiel steht, um bedeutende Kompromisse hervorzubringen. Wenn all diese Dinge auch so bleiben, nachdem die Staatschefs die Türkei verlassen haben und heimfliegen, dann ist dies ein riesiger Gewinn für die russische Diplomatie und Außenpolitik - jedoch, was auch immer passieren mag, vertrauen Sie darauf, dass die Mediennarrative mit der offiziellen Linie hin und her schwingen wird.

Es ist klar geworden, dass der Sieg über die ISIS eine internationale Kooperation voraussetzt und dass Russland ein wichtiger Teil dabei ist. Was nicht so klar ist und was kein Analyst wirklich vorhersagen kann, ist ob eine massive, koordinierte Bombenkampagne in Syrien und dem Irak effektiver sein wird, als die bisherigen unkoordinierten Angriffe. Das ist eine Frage, die weitaus schwieriger zu beantworten ist.

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