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Jauch mit Methoden des Bild-Journalismus!

von Thomas Trautzsch
2015-03-19
Foul Play - Mr. Jauch!

Na Hoppla, wer wird denn, ...

Da wirbt der griechische Finanzminister erstmalig im deutschen Fernsehen für einen Dialog zwischen Griechen und Deutschen, um die äußerst schwierige Lage bezüglich der Schulden in den Griff zu bekommen und dann kommt der Jauch ganz hinterfotzig aus der Ecke und gräbt ganz im Stile eines Bild-Journalisten der untersten Schublade irgendwelchen Schmutz vergangener Jahre aus, um den Minister mittels eines aus dem kontext gerissenen Zitats und einer missverständlichen Geste zu diskreditieren. Das erinnert mich an amerikanischen Wahlkampf. Zweckdienlich war dieser Einwurf ganz sicher nicht, ... auch nicht für die Deutschen.

Als deutscher Bürger empfinde ich diese Art der Hetz-Kampagne, die in den Deutschen Medien im Zusammenspiel einiger Flaggschiff-Formate der öffentlich-rechtlichen und der Boulevard-Presse á la Bild im Namen einer Politkaste gemacht wird einfach abscheulich.Die Bild hetzt gegen die Griechen!
Ich weiss nicht, ob sich Herr Jauch bewusst ist, welchen gesellschaftlichen Schaden er mit solch einem voreingenommenen nicht-objektiven Journalismus anrichtet. Sicher mag es eine Tasache sein, dass Herr Varoufakis diese Aussagen einige Jahre vor Antritt seines Ministeramtes getätigt hat und auch die einschlägige Gestik dazu bemühte. Angesichts des massiven Schadens, den die EU der griechischen Bevölkerung aus reinem Selbsterhaltungszwang angetan hat, finde ich persönlich diese Geste der Misachtung zumindest aus Sicht des Volkes sogar angebracht. Auf diplomatischer Ebene mag das noch etwas anderes sein. Aber Herr Varoufakis war zum Zeitpunkt der zitierten Rede auch kein Diplomat.

Aber mal ehrlich, dieser Stunt sagt doch mehr über Herrn Jauch und seine Sendung aus, als über Herrn Varoufakis. Wenn schon vermeintlich etablierte Qualitätsformate, wie Jauchs Sendung poltisch dazu instrumentalisiert werden, um auf solch eine profane, an die niedersten Instinkte der Deutschen appellierende Weise im Volk Stimmung zu machen, dann befinden wir uns bereits in einer der Nazi-Ära gleichen Manipulationskultur wieder.

Herr Varoufakis machte zu Recht den Punkt, dass ein Erfolg in der Bereitschaft beider Seiten zur gemeinsamen Konsensfindung liegt. Dazu gehört die Erkenntnis, dass Griechenland diese Schulden nicht begleichen kann. Es ist unwahrscheinlich, dass Herr Schäuble und Frau Merkel das nicht wissen. Die Vehemenz und dümmliche Dickköpfigkeit, mit der die deutsche Regierung diese Schulden von Griechenland einfordert, haben ihre Ursache in einer gewissen Ausweglosigkeit der Lage, in der sich die gesamte Europäische Union bezüglich seines Umgangs mit Schulden befindet. Kommt man Griechenland nicht entgegen, dann ist die griechische Regierung gezwungen, aus dem Euro auszutreten und den Staatsbankrott zu erklären. Das Wort griechischer Staatsbankrott wird dabei von den deutschen Medien in verteufelndster Weise hingestellt, als ob es für Griechenland das Inferno bedeuten würde. Diese Darstellung ist jedoch weit weg von der Wahrheit. Bei einem Staatsbankrott wäre Griechenland in der Lage, diese Schulden organisiert zu auditieren, umzustrukturieren, wenn nicht sogar komplett abzuschreiben. Griechenland würde zur Drachme zurückkehren und hätte so die Chance, mittels einer eigenen Nationalbank produktive Kreditschöpfung zu betreiben, um seine Wirtschaft wieder aufzubauen und vielleicht sogar wieder in die Lage zu versetzen tatsächlich anfallende legitime Schulden zu begleichen. Es gäbe sicher eine chaotische Übergangsphase, jedoch wäre die leichter in Kauf zu nehmen, als die im wahrsten Sinne des Wortes "mörderische" Austerität, die man Griechenland derzeit aufdiktieren will.

Die infernale Darstellungsweise des Staatsbankrott-Szenarios durch die EU ist darin begründet, dass es für die EU selbst viel mehr ein Inferno sein würde, als für Griechenland, denn das gesamte Kartenhaus des Schattenbankensystems samt seiner gigantischen Derivatblase würde mit einem Schlag zusammenbrechen und in Europa eine beispiellose Krise auslösen. Ganz gleich, welche Position man zu Griechenland seitens der EU beziehen wird, früher oder später wird dieses Problem sich immer akuter in den Vordergrund stellen. Isofern sollten die EU-Politiker und insbesondere der kurzsichtige und starrsinnige Herr Schäuble Griechenland als Chance verstehen, endlich mit diesen spekulativen europäischen und transatlantischen Altlasten im Sinne existenter Glass-Steagall-Richtlinien aufzuräumen.

Mehrfach wurde bereits die Möglichkeit einer europäischen Schuldenkonferenz zur Sprache gebracht, bei der die bestehenden Schulden genauer untersucht und zum Teil abgeschrieben werden, und zwar auf europäischer, wenn nicht notwendigerweise sogar auf transatlantischer Ebene.

Es wurde auch mehrfach von einer Journalistin, die ebenfalls in besagter Sendung von Günter Jauch zu Gast war, zu Recht hervorgehoben, dass die Gelder, die man Griechenland bereitgestellt hat und wieder bereitstellen will, bis auf einen kleinen Teil wieder an vornehmlich deutsche und europäische Banken zurückfließen. Daher ist die vermeintliche Griechenlandrettung durch den deutschen Steuerzahler eigentlich nichts weiter als ein weiteres verdecktes Rettungspaket für deutsche und europäischen Großbanken durch den deutschen Steuerzahler. Das wird von der Bild leider nicht erwähnt, die es vorzieht, die Griechen verantwortlich zu machen und auch Herr Jauch schwieg weitestgehend zu diesen Argumenten.

Die Entstehung der griechischen Schulden verdient ebenfalls eine genaueren Betrachtung, bei der man leicht feststellt, dass auch damals bereits bekannt war, dass die griechische Regierung korrupt war und die Wahrscheinlichkeit einer Schuldenrückführung gering war. Die Grundsätze des Moralischen Hazards bei der Kreditvergabe wurden bewusst ignoriert. Insofern muss heute gefragt und genau untersucht werden, inwiefern welcher Teil der Schulden den Anspruch der Legitimität erfüllen kann. All diese Dinge sollten Thema einer solchen Schuldenkonferenz sein, an der alle betroffenen europäischen und transatlantischen Nationen teilnehmen sollten, um eine humanitäre Lösung für dieses Problem zu finden.

Die Bundesregierung mit Herrn Schäuble und Frau Merkel betreiben jedoch in dieser Frage geostrategische Interessenspolitik, anstatt auf die Mehrheit der griechischen, sowie deutschen Menschen zu schauen, die unter diesen Finanzverbrechen zu leiden haben.

Die Schuldenkonferenz sollte in das Leben gerufen werden und es stünde Deutschland gut zu Gesicht, wenn diese in Berlin stattfinden würde.

Was den Herrn Jauch betrifft, so weiß man ja inzwischen, wie die Dependenzen liegen und kann dementsprechend einordnen, wessen Narrativ er bewusst unterstützt und sich somit immer weiter vom anständigen Journalismus entfernt.

Es grüßt

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Thomas Trautzsch   
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