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Zielgebiet Tschetschenien - Die westliche Narrativ-Wende im Fall Nemtsov

von Thomas Trautzsch
2015-03-13
Fortruss Bloggerin - "Kristina Rus" (Facebook)

Spätestend seit dem heutigen Tag manifestiert sich eine Art Wendung im Fall Mordfall Nemtsov. Nicht Putin ist nun der Schuldige, sondern Kadirow, das Oberhaupt Tschetscheniens, in dessen Diensten Zaur Dadajew, einer der gefassten Mordverdächtigen, stand. Kadirow schrieb in einem Instagram Post:

"Ich kannte Zaur als einen wahrhaften russischen Patrioten. Er war der zweite Kommandeur des Batallions und einer der unerschrockensten und mutigsten Kämpfer des Regiments." Kadirow sagte, das Dadajew "in vollem Maße Russland ergeben war." Und weiterhin: "Jeder der Zaur kannte sagt, dass er eine tief religiöse Persönlichkeit ist und wie alle Muslime war er sehr schockiert über die Aktionen bei Charlie Hebdo und durch Kommentare, die den Druck der Karikaturen unterstützten. Wenn das Gericht Dadajew des Mordes für schuldig erklärt, dann hat er ein gravierendes Verbrechen begangen. Jedoch möchte ich bemerken, dass er nie etwas gegen Russland tun würde, für das er sein eigenes Leben seit vielen Jahren riskiert hat."

Während der Europarat heute eine Resolution verabschiedete, welche eine internationale Untersuchung in diesem Fall forderte und damit einen unglaublichen Akt der Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands als souveräne Nation in einer formulierten Forderung beschloss und damit die russische Front trotz der neusten Entwicklungen weiter befeuerte, wird nun westlicherseits eine zweite Flanke in Tschetschenien geschlagen.

Die Tatsache, dass Kadirow in diesem Instagram-Post seine Verbindung zu Dadajew erläutert, wird in vielen westlichen Medien, u.a. der ARD-Tagesschau verzerrt als Möglichkeit dargestellt, dass der Putin-nahe Kadirow dem russischen Präsidenten aus einem Übermut der Macht heraus einen Bärendienst erwiesen haben soll und damit ein Signal setzt, das verdeutlichen soll, dass sich die derzeitigen freundschaftlichen Beziehungen sehr schnell ändern können.

In der Tat wurde die vorherrschende Stabilität und freundschaftliche Beziehung mit einem hohen Blutzoll und wahrscheinlich auch mit einer Menge Geld erkauft. Russland gewährt Kadirow nahezu freie Hand, weil es genau weiß, dass jegliche forcierte Bestrebungen, es in das eigene Land einzuverleiben gravierende destabilisierende Folgen hätte. Unter dieser Freiheit konnte Tschetschenien eine beachtliche Militärstärke aufbauen. Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass es nicht zuletzt durch diese militärische Stärke möglich war, den Einfluss des wahabischen Extremismus zu beseitigen. Tschetschenien war vor Ramzan Kadirow eine Brutstätte des Islamischen Fundamentalismus im Nordkaukasus, weil saudisches Geld und britisches geheimdienstliches Organisationstalent dort eine Masse an wahabischen Klerikern installierte, die auch für die heute in Erscheinung tretende ISIS rekrutierte.

Der Westen, insbesondere die USA haben ein unmittelbares Interesse daran, die Beziehungen zwischen Tschetschenien und Russland zu stören. Welche Rolle Ramzan Kadirow dabei spielt, ist noch nicht gewiss, denn unter seinem Vater litt das Land an den eben beschriebenen Symptomen, die der Westen wohl am liebsten wieder auferstehen lassen würde. Einige russische Blogger argumetieren, dass nur jemand mit einem größeren Geldkoffer vorbeikommen müsse, um Ramzan Kadirow davon zu überzeugen, sich gegen Russland zu wenden. Das ist auch das Narrativ, welches nun vom Westen zwar nicht direkt, aber dennoch strebsam forciert wird.

Diese Argumentation macht natürlich in gewisser Weise Sinn, jedoch darf man nicht unterschätzen, mit welchen Mitteln der Westen arbeitet, um seine Interessen durchzusetzen und man muss sehr aufmerksam sein. Der Effekt, den dieses Narrativ erzeugt, ist in der Tat die Erschaffung eines Klimas des Mistrauens zwischen Russland und Tschetschenien. Noch bevor diese Tschetschenienverbindung überhaupt publik wurde und das Medien-beherrschende Thema eigentlich der Ukraine-Konflikt was, liefen bereits häufiger Beiträge in den westlichen Medien über den Tschetschenien-Konflikt, mit dem klaren Ziel, moralisch gegen Russland mobil zu machen. Mit den neuen Entwicklungen im Blick, bekommt das eine besondere Note.

Ein weiterer Effekt wäre auch, dass die Hypothese, dass der Nemtsov-Mord von anderen Auslandsdiensten organisiert wurde, völlig in das Abseits gedrängt werden würde, was möglicherweise falsch wäre. Dabei sind die Enthüllungen interessant, auf welche die russische Bloggerin mit dem Namen Kristina Rus (www.fortruss.blogspot.de) hinwies, die beschrieb, dass bei Wikileaks kürzlich Kommunikation der russischen Dissidenten mit amerikanischen Autoritäten veröffentlicht wurde, die belegt, dass seitens der russischen Opposition Empfehlungen an die USA gegeben wurden, Ramzan Kadirow zu isolieren und Druck auf Russland mittels Menschenrechtsfragen etc. zu machen. Die russischen Oppositionellen konstatieren dabei ebenfalls, dass die Entfernung Putins aus dem Präsidentenamt nur mittels eines spektakulären chaotischen Ereignises möglich wäre. Ähnliches haben wir auf dieser Seite bereits auch am 6. Januar 2015, also 3 Wochen vor dem Nemtsov-Mord, festgestellt.

"Die Schüsse auf Nemtsov waren Schüsse auf Kadirows Autorität und die Stabilität in Tschetschenien," so Kristina Rus, mit dem Ziel der Destabilisation Tschetscheniens und Russlands.

Ach ja, Viktoria Nuland ist auf Europa-Tour in diesen Tagen. Zufall?

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