Mobirise website generator

Kurier Edwin - Die Spurensuche geht weiter

von Thomas Trautzsch
2016-05-05
Kurier Edwin - Tatsachen-Kurzroman

Die Spurensuche geht weiter.

Nachdem ich im April in Sachsenburg und Colditz zwei Konzentrationslager, in denen mein Großvater in Haft war, besucht hatte, und mit Hilfe meines Vaters herausgefunden hatte, dass es in Chemnitz zwei Historiker gibt, die sich bereits zu DDR-Zeiten, ähnlich wie Anette Leo, eingehend mit der Geschichte meines Großvaters beschäftigt hatten, habe ich einen Termin mit den beiden ausgemacht und mich mit ihnen am 1. Mai 2016 in Chemnitz getroffen. Meine Grundlagen über die Geschichte meines Großvaters sind zu diesem Zeitpunkt noch sehr rudimentär und basieren zum größten Teil auf den Niederschriften von Dr. Anette Leo. Die beiden Herren waren sehr nett und attestierten mir, dass ich damit eigentlich schon einen ganz guten Überblick hätte. Dennoch waren aber vor allem die Menge der Details der Forschungsergebnisse der beiden überwältigend und wir haben ca. 4h damit zu gebracht, um Ereignisse und niedergeschriebene Erlebnisse einzuordnen, wobei ich zum größten Teil nur voller Erstaunen zuhören konnte, und wohl eine gewisse Zeit benötigen werde, um all die Informationen einzuordnen.

Die Arbeit der beiden Historiker wird lt. deren Angaben in nicht allzu ferner Zukunft in ein literarisches Werk münden, dass eine umfassende Biographie von Walter Trautzsch darstellen wird. Einen Teil des Nachlasses von Walter Trautzsch, der ihnen von seinem ältestem Sohn Peter (meinem Onkel) zum Zweck der Forschung überlassen wurde, durfte ich wieder in Empfang nehmen. Dabei handelt es sich um ein Porträt-Foto von Walter's Ehefrau Rosemarie (also meiner Oma), eine Menge persönlicher Briefe und einige Bücher und Zeitschriften.




Rosemarie Trautzsch (geb. Muggli)



Ein erster Teil des brieflichen Nachlasses von Walter Trautzsch wurden bereits von den beiden Chemnitzer Historikern umfassend ausgewertet und erfahren durch mich nun lediglich einer sorgfältigen Digitalisierung, Transkription und Archivierung, um historisch relevante Teile davon interessierten Menschen in der Nachwelt in leicht durchsuchbarer Form zu erhalten. Danach geht der gesamte Teil des Nachlasses wieder an Walters ältesten Sohn Peter Trautzsch zurück. Dieser Fundus an Briefen ist nur deswegen noch erhalten, weil ein zu DDR-Zeiten existierendes Arbeitermuseum in Marienberg, welches einen Teil seiner Präsentation der Persönlichkeit Walter Trautzsch widmete, diese aufhob und später nach dessen Auflösung nach der Wende wieder an Peter Trautzsch übergab.




Teil des brieflichen Nachlasses von Walter Trautzsch



Weiterhin wurden mir 3 Bücher übergeben, die wohl aus dem Besitz von Walter Trautzsch entstammen.

1.) Uns hat Stalin erzogen - sowjetische Stalinpreisträger erzählen aus ihrem Leben.
2.) Das Geschenk - Peter Kast
3.) Kurier Edwin - Gunther Wendekamm (Zum Flipbook)




Buecher aus dem Nachlass von Walter und Rosemarie Trautzsch



Das erste Buch "Uns hat Stalin erzogen" ist wohl als ideologisches Zeugnis der politischen Überzeugung meiner Großeltern zu sehen, die beide seit jüngstem Alter Kommunisten und Antifaschisten gewesen sind. Das Buch war einst ein Geburtstagsgeschenk meiner Großmutter Rosemarie an Walter, denn auf der ersten Seite steht eine kleine Widmung von Rosemarie:




Widmung von Rosemarie an Walter zum 49. Geburtstag 1952



An späterer Stelle in der Geschichte Walter Trautzsch's wird aber auch klar, dass zumindest er in gewisser Weise auch Opfer der Folgen Stalinistischer Säuberungswellen gewesen ist, obgleich ihn manch glücklicher Umstand vor drastischeren Folgen bewahrte. Möglicherweise waren diese 1952 noch nicht in solch einem Stadium, als dass sie für die beiden als ernstzunehmendes Problem wahrnehmbar waren, was sich später aber noch ändern sollte.

Das zweite Buch "Das Geschenk" von Peter Kast ist eine Geschichte, in der es um die Rettung einer hand-korrigierten Erstausgabe des ersten Band des Kapitals mit persönlicher Widmung von Karl Marx ging. Das Buch wurde über viele Umwege von London, über Wien, nach Frankreich, über die Schweiz schließlich nach Deutschland geschmuggelt. Lt. den beiden Chemnitzer Historikern wurde der letzte Teil der Reise dieses Buches durch Rosemarie ermöglicht. Sie schmuggelte die Ausgabe des Kapitals auf ihren schwangeren Bauch gebunden aus der Schweiz nach Deutschland. Walter, sowie Rosemarie kannten den Verfasser des Buches "Das Geschenk", Peter Kast aus ihrer Schweizer Zeit. Dem Buch liegt ein maschinen-geschriebenes Schriftstück bei, das scheinbar von Rosemarie stammt und offensichtlich eine Antwort auf eine Anfrage von Walter über den Verlauf dieser Aktion 1946 darstellt. Das Schriftstück muss in einer späteren Phase verfasst worden sein, da es sich durch eine Nüchternheit und Distanz zwischen den Eheleuten Walter und Rosemarie auszeichnet. Leider ist darauf kein Datum vermerkt. Vermutlich wurde es zusammen mit dem Buch zu einer Zeit an Walter übergeben, als die Ehe der beiden bereits geschieden war. Darin wird geschildert, dass das Buch 1946 wohlbehalten im erzgebirgischen Lengefeld angekommen ist, wo es dann kurze Zeit später von Peter Kast und 2 sowjetischen Offizieren abgeholt wurde.




Schriftliche Mitteilung von Rosemarie an Walter im Buch "Das Geschenk"



Das dritte Buch ist ein kurzer Tatsachenroman mit dem Titel Kurier Edwin, herausgegeben vom Militärverlag der DDR, der in erzählerischer Darstellung, wahrscheinlich auf den Niederschriften der Erinnerungen von Walter Trautzsch über seine Kuriertätigkeit basierend, die einige Erlebnisse aus dieser Zeit aus dem Blickwinkel von Walter Trautzsch wiedergibt. Dieses Buch habe ich in ein Digitales Flip-Book umgewandelt, dass sie hier lesen können.

Die nächste Zeit wird davon bestimmt sein, die vielen Briefe zu digitalisieren und zu archivieren, bevor sie wieder in den Familienbesitz überführt werden.

Es grüßt Ihr
Thomas Trautzsch



ADDRESS
Thomas Trautzsch   
Jacob-Michelsen-Str. 3, 07749 Jena

CONTACTS
Email: thomas.trautzsch@ars-inveniendi.com
Phone: +49 157 59 23 8449

Thanks for filling out form!