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Hinter dem Steuer

von Evdokija (Dunja) Scheremetjewa
2016-04-18
littlehirosima

Englische Übersetzung: Mikhail Jasinski
Deutsche Übersetzung: Thomas Trautzsch


Weißt Du was Glück ist?
Es ist Eiskrem bei 30° Celsius nach langem Warten. Oder, z.B. ein Kuss von einem Mädchen, von dem Du schon seit der 1. Klasse geträumt hast.

Glück ist auch, wenn jemand seit 22 Jahren nicht mehr gefahren ist, ein Bein verloren hat, Polyarthritis hat und plötzlich hinter dem Steuer sitzt…




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Unser Serjoscha Kuzenkow hat einmal als Fernfahrer gearbeitet. Er fuhr Kamas Trucks unser einst großes Land rauf und runter. Er war mehr als einmal in Moskau und hat den Ostankino-Turm gesehen.
Jedes mal, wenn wir ihn besuchen, überhäuft er uns mit Fragen - Wie war die Fahrt? Wie sind die Straßen? Was ist unterwegs passiert?
Auf dem Weg hierher war alles, wie sonst auch. Busse fliegen vorüber, große Trucks, Tankstellen.
- Leute, fahrt nicht bei Nacht, es ist sicherer so. Obwohl ich gern nachts die leeren Straßen runter gefahren bin …
Das hat Senja auf eine Idee gebracht:
- Serjoscha, willst Du mal fahren?
- Das wär's. Ich bin seit 94 nicht mehr gefahren … auf keinen Fall.
Was kann man sagen. Serjoscha war seit November nicht mehr draußen. Jedes mal wenn wir kamen hat es entweder geregnet oder geschneit. Wir konnten nicht nach draußen mit ihm. Er wohnt im 5. Stock und sein Rollstuhl gibt ihm nicht allzu viel Mobilität. Unser Senja aus Lugansk flucht jedes mal, er würde ihn mit einem Fallschirm aus dem Fenster schmeißen, … macht er aber nicht.
Serjoscha ist in einem Pensioniertenheim, seit er im Frühling 2015 sein Bein verloren hat und nachdem er im Sommer 2014 sein Haus verlor, als Kryaschtschewatoje mit Artilleriefeuer beschossen wurde. Uns als eine Granate in der Nähe einschlug und die Vorhänge wegflogen, schnappte er sich seine Krücken und humpelte in den nächsten Keller.




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Als wir ihn erst einmal im Auto hatten, war er erst einmal ängstlich und versuchte, einen Rückzieher zu machen. Aber ihr habt ihn gesehen. Ihr habt die Freude in seinen Augen gesehen.
Nach den ersten Zehn Metern sagte er nur eins:
-Ok, wir sind unterwegs!
Das Steuer bewegte sich geschmeidig und Serjoscha lernte sofort, wie die Pedalen mit nur seinem linken Bein zu bedienen sind.
Weil das rechte nicht mehr da ist…
Die vielen Jahre der Gewohnheit sind immer noch da.
Aber er hat sich schnell daran gewöhnt.




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Serjoscha, unserSerjoscha.
Es ist nicht möglich, seine Traurigkeit auszudrücken, jedes mal, wenn wir wieder losfahren. Serjoscha steht gegenüber vom Fahrstuhl den wir betreten. Sein Rollstuhl passt da nicht hinein. Er passt nur in den Lastenaufzug.
Er steht still, bis die Türen sich schließen.
Er versucht zu lächeln, aber sein Gesichtsausdruck erzählt uns etwas anderes.
Er versucht einen Witz zu machen als wir wieder abfahren.




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Serjoscha, wir freuen uns immer, Dich zu sehen. Deine Anekdoten sind die besten und lustigsten.




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Evdokija (Dunja) Scheremetjewa

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