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Neue Verwandte

von Jewdokia "Dunja" Scheremetjewa
2015-08-05
Neue Verwandte

Von Jewdokia "Dunja" Scheremetjewa (littlehirosima)

Original gepostet am 27. Juli 2015

Übersetzt aus dem Russischen von Alexander Grodskij

Und gestern waren wir bei unserem Sergej Kuzenko zu Besuch.
Es wäre wohl nicht übertrieben zu sagen, dass wir füreinander schon wie Verwandte sind.
Im April trafen wir auf ihn in einer Baracke in der Wohnsiedlung Chrjaschewatoje, wo er wohnen musste, nachdem sein Haus durch Artilleriebeschüsse zerstört worden war.
Er hat eine schwere Erkrankung – die fortschreitende Polyarthritis. Wenige Wochen nach unserem ersten Treffen wurde ihm ein Bein amputiert. Er hatte keinen Ort, an den er zurückkehren konnte. Auch weiterleben wollte er nicht. Er ist doch ganz allein... In der Baracke waren unerträgliche Lebensbedingungen – ohne Wasser, ohne Strom, ohne Hilfe, – ohne alles und dazu noch auf den Krücken...



Ich habe schon einige Male über ihn geschrieben. Wie wir uns kennenlernten, wie wir für ihn die Krücken besorgten. Über seinen Schnurrbart. Ja, ja, über den Schnurrbart. Darüber habe ich sogar Briefe von den Lesern bekommen. Wie er sein Bein verloren hat. Wie Schenja und Lena ihn im Krankenhaus mit Suppen versorgten, wie wir nicht wussten, ob er überlebt. Wie wir ihm mit den Bussen Medikamente schickten, und den Rollstuhl. Wie wir ihm eine Wohnmöglichkeit suchten. Wie wir für ihn endlich einen Platz in einem Seniorenhaus für Kriegsveteranen in einer schönen Gegend bei Lugansk fanden. Wie wir nicht wussten, ob er für sich selbst sorgen kann.

Beim letzten Mal besuchten wir ihn im Krankenhaus, wo er sehr traurig war und nicht wusste, wie er weiter leben sollte.
Und dieses Mal kamen wir ins Seniorenhaus, das sein zu Hause wurde, nicht mehr wie Helfer, sondern wie seine Familie. Mit Leckereien, Eis und verschiedenen Kleinigkeiten.
„Es ist nur sehr langweilig. Die Jüngsten hier sind über 70... Und der Nachbar ist überhaupt eine Spaßbremse. Er ist sehr ernst und versteht keinen Spaß.“
Unser Sergej ist ein sehr lustiger Mensch mit einem ironischen Blick in den zusammengekniffenen Augen.
Und außerdem ist er bissig bis zum geht nicht mehr.
Jedes Mal scherzen und lachen wir mit ihm ganz viel.
Er fragt uns immer, wie wir angekommen sind, was unterwegs los war:
„Fensterscheibe kaputt? Was für ein Unglück!“

Versteht ihr?
Er denkt an uns und macht sich Sorgen.
So ist er, unser Sergej Kuzenko.



Lena und er spielten dieses Mal Seegefecht auf dem Handy. Die Schlacht war sehr ernst. Der Ausgang des Kampfes war bis zuletzt unentschieden. Sergej sprang fast aus seinem Rollstuhl und hat am Ende doch gewonnen.
Als wir draußen spazieren gingen, trafen wir auf einen 93-jährigen Mann im Rollstuhl, der ihn fragte:
„Sergej, sind zu dir Verwandte gekommen?“
„Aber ja!“



Wir möchten ihm einen einfachen Tablet-Computer beschaffen. Wisst ihr, ob es welche gibt, in die man einen USB-Stick einstecken kann?
Wir würden ihm Filme darauf speichern.
Er ist ja ein kluger Kopf.
Um so mehr, dass wir für ihn jetzt eine Brille besorgt haben.
„Sergej, du siehst damit wie ein echter Professor aus!“



Und außerdem nannte er mich „Kätzchen“. So. Beneidet mich jetzt.

Und, wie immer ...

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