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Vika, Lebe!

von Jewdokia Scheremetjewa
2015-07-05
Vika lebe! von Jewdikia Scheremetjewa

von Jewdokia "Dunja" Scheremetjewa (littlehirosima)

16.05.2015

Übersetzt aus dem Russischen (http://littlehirosima.livejournal.com/64153.html) von Alexander Grodskij

„Darf ich mich hinlegen?“
Vika – ein sehr dünnes, fast durchsichtiges Mädchen bleibt mit Mühe an der Wand stehen.
Ihre Augen blicken durch mich hindurch und sehen nicht. Das erschreckt mich.
Ich verstehe nicht, was hier los ist.
Lena macht mir Zeichen – geh, sprich mit ihr.
Vika tastet sich langsam an der Wand entlang und verschwindet im Zimmer nebenan.



Vika leidet seit ihrem sechsten Lebensjahr an einem schweren jugendlichen Diabetes. Vor einem Monat starb ihr Bruder, der erst 19 war durch Mangel an Insulin. Sie selbst ist 20.
Als Vika das Zimmer verlässt, erzählt ihre Mutter:
„Als der Sohn starb, hörte sie auf zu essen. Sie hat schon 12 Kilo an Gewicht verloren. Ich kann nichts mehr machen.“
Lena und ich versuchen etwas Aufmunterndes zu sagen, aber was kann man da sagen?
„Hat Vika Freundinnen?“
„Sie hatte sie mal, aber sie sind jetzt alle weg.“
„Vielleicht einen Freund?“
„Sie hatte einen, mit dem sie sich über Skype unterhielt. Aber vor einer Woche sind ihr zwei Schneidezähne ausgefallen. Jetzt schämt sie sich. Sie will nicht, dass er sie so sieht...“
Erst jetzt verstehe ich, warum Vika die ganze Zeit den Mund mit der Hand verdeckte.
„Was ist mit Vikas Augen?“
„Sie ist doch Diabetikerin. In der letzten Zeit ist es viel schlimmer geworden. – Sie kann schon nicht mehr richtig sehen, nur noch verschwommene Flecken.“
„Kann es besser werden?“
Die Mutter macht uns mit den Händen ein Zeichen, nicht darüber zu sprechen.



Von Vika haben wir durch die Diabetikergesellschaft erfahren, als wir einige Packungen Teststreifen, Spritzen, etc. dorthin brachten. Damals starb bei Svetlana Sosulina der jüngere Sohn.
Wegen schlechter Ernährung sowie Mangel an Geld und notwendigen Medikamenten traten bei den Kindern Komplikationen des Diabetes auf und so viele, dass man müde wird, sie alle aufzuzählen.
Das Foto von dem Sohn steht zwischen den Ikonen auf dem Tisch.
Lena und Schenja besuchten die Familie noch einige Wochen vor der Tragödie, brachten ihr humanitäre Hilfe.
Vika war eine schöne junge Frau – glatte Haut, lange Haare.
Diesmal wäre Lena fast umgefallen, als sie Vika sah.
In wenigen Wochen hatte sich Vika enorm verändert.
Auf dem Foto kann man nichts erkennen. Aber Vika sieht wie ein Geist aus.
Die Augen nehmen ihr halbes Gesicht ein und sind in ständiger Bewegung. Blasse Haut, blaue Lippen. Erdrückende Müdigkeit.

Ich schaue in ihr Zimmer, sie liegt auf dem Sofa und starrt vor sich hin.
Neben ihr auf dem Tisch stehen mehrere Teller mit Essen.
Und in ihrem Blick nur eine Trauer und Lebensmüdigkeit.
„Vika, du musst an die frische Luft, in die Sonne, das Wetter ist so schön.“
„Es fällt mir schwer zu stehen – Beine und Rücken tun schrecklich weh. Ich kann nur liegen. Sitzen und Stehen ist unerträglich.“
Sie ist doch Studentin im sechsten Semester. Sie müsste ausgehen und sich mit Jungen küssen.
Noch vor kurzem hatte sie ein ganz anderes Leben...
Ihr Mutter Svetlana zog ihre beiden Kinder alleine groß. Und noch musste sie die Oma versorgen, die schon seit vier Jahren bettlägerig ist.
Diabetiker müssen sich richtig ernähren, und dazu brauchen sie noch eine Menge Medikamente. Aber woher nehmen? Es herrscht der Krieg. Man kann keine Medikamente finden, sie haben auch kein Geld...
„Vika, du musst essen. Nicht nur deinetwegen, sondern auch wegen deiner Mutter.“
„Ich weiß, sie weint die ganze Zeit.“
„Möchtest du irgendwas? Vielleicht etwas Besonderes? Lass uns dir ein Kleid oder einen Kleiderrock kaufen. Was hättest du gern?
„Ich brauche nichts. Ich bitte ständig um Gesundheit. Aber die ist nicht da. Jetzt kann ich nichts sehen und ich kann nichts dagegen tun.“
„Du bist eine Schönheit, du musst ausgehen!“
„Die Zähne sind ausgefallen. Ich sehe schrecklich aus. Ich will nichts.»
Und sie dreht sich zur Wand. Und liegt den ganzen Tag so.
Vika schwindet (schwand) vor unseren Augen dahin..


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