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Väter und Söhne

von Jewdokia Scheremetjewa
2015-06-26
Tschernukhino in der Nähe von Debaltsevo

von Jewdokia "Dunja" Scheremetjewa

Übersetzt aus dem englischen (http://fortruss.blogspot.de/2015/06/the-seventh-van.html von Thomas Trautzsch

Tante Galja is berühmt. Beide, sie und ihr Haus wurden im Fernsehen gezeigt. Doch was sage ich? Sie zeigten die viele Häuser aus ihrem Dorf. Sobald man nach Tschernukhino hineinkommt, grünt und blüht es gerade. Jedoch hinter den Bäumen findet man Ruinen. Man kann die Ruinen nicht sehen und man denkt es ist nicht so schlimm. Tschernukhino wurde in diesem Winter weltberühmt. Es befindet sich in der Nähe von Debaltsevo, muss ich mehr sagen? Doch was sage ich? Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist Tante Galja.

Tante Galja steigt schwerlich die Treppe ihres Hauses hinunter, die ein wackeliges Geländer am Eingang hat. Man hat Angst, sich dagegen zu lehnen.

"Tante Galja, wo soll ich die Hilfsgüter abstellen?"

Die alte Dame ist verwirrt. Ihre Augen können sich nicht fokussieren und sie wudert sich über das alles. Das Haus ist zerstört, das Dach ist abgedeckt. Sie heizt mit Kohle.

"Freunde, könnt ihr uns etwas für das Dach besorgen? Könnt ihr die Regierung fragen?"

"Wir sind kein Verein. Wir sammeln selbst. Wir haben keine Baumaterialien. Aber wir versuchen etwas herauszufinden. Haben sie Kinder?

"Eins starb, bevor alles anfing."
"Und das andere?"
"Ist weit weg in Pawlowgrad."



"Hilft er Ihnen?"
"Wie denn? Es ist Krieg."

Sie wird still. Ich bin verlegen und fürchte mich weitere Fragen zu stellen, doch sie steht neben mir und es ist klar, dass sie das alles nicht glauben will, was passiert.
Meine Fäuste ballen sich. Weit weg. Krieg. Verdammt, das ist Deine Mutter.

"Nicht ein einziges Mal. Aber er kann nicht durchkommen. Abgesehen davon ist es gefährlich."
Tante Galja, ich kann nichts sagen in Deiner Gegenwart. Belassen wir es damit. Weit weg. Kann nicht durchkommen.



Über die Straße wohnt Großmutter Zoja. Sie ist 83 Jahre alt und sie lebt allein. Sie wird manchmal von ihrer jüngeren Schwester besucht und sie streiten oft. Ich frage die Anwohner.

"Gibt es Kinder?"
"Ja, eine Tochter starb, die andere ist irgendwo im Ausland."

Zoja fällt es schwer zu laufen. Wir benötigten mehrere Minuten um ihr in die Küche zu helfen und die Hilfsgüter abzustellen. Sie läuft an 2 Krücken.. Ihr Haus ist in einem schlechten Zustand, Gerüche, Schmutz. Sie findet es schwierig genug zu laufen, geschweige denn, sich um Dinge zu kümmern...

"Zoja, wo ist Deine Tochter?"
"Ich weiß es nicht. Im Ausland."
"Hilft Sie? Schickt Sie Geld?"
"Natürlich nicht. Sie ist weit weg und es gibt Krieg. Es ist schwierig."
"Und wessen Schuld ist das?"

Ich konnte mich noch fangen. Warum habe ich das ausgesprochen.
Zoja war in keiner Weise verlegen. Sie ist eine sehr positive und lächelnde Frau:
"Nun, was soll sie machen. Sie ist wirklich weit weg. Sie hat mich im Fernsehen gesehen, angerufen und gesagt: Mama, ich habe Dich gesehen!"

Können Sie sich vorstellen, was sie im Fernsehen gesehen hat? Ich möchte nicht daran erinnern, unter welchen Umständen Tschernukhino im Fernsehen gezeigt wurde. Menschenkorridore, die "Straße des Lebens", endlose Bombardierungen, Bombenfallen in Häusern. Und KIA, KIA, KIA, um Militärsprache zu verwenden.

Als wir aufbrachen sagte Großmutter Zoja plötzlich:
"Oh ich erinnere mich, sie lebt in Kanada!"
"Hat sie Kinder?"
"Ja natürlich, ich habe eine Enkelin. Sie lebt auch dort."



Liebe Tochter und Enkelin von Großmutter Zoja, ich hoffe, sie lesen diesen Text. Unglücklicherweise sind solche Fälle nicht selten dort. Wenn Kinder einfach ihre eigenen Eltern zurücklassen und ihnen nicht helfen. Sie lösen ihre eigenen Probleme zu Hause. Es ist schwer. Es ist weit weg. Krieg. Wir können nicht durchkommen.

Ganz oft verlassen die alten Leute ihre Heimat nicht und die Kinder können sie nicht mitnehmen, helfen jedoch ständig. Ich habe Freunde in Lugansk, jene die nicht forgegangen sind, nur wegen der Dickköpfigkeit ihrer Eltern. Verschiedene Geschichten. Jedoch gibt es so viele Geschichten, wie die von Großmutter Zoja und Tante Galja.

Ich hoffe sogar, dass ihre Kinder das nicht sehen und ihr Gewissen nicht aufgeweckt wird. Doch ich hoffe, dass hunderte anderer Kinder das lesen, deren Eltern allein sind, zurückgelassen inmitten der Hölle.

Jene, die kaum laufen können und kaum etwas übrig haben und die von Fremden, wie uns ernährt werden, die trotzdem durchgekommen sind, egal was und die nicht dafür bezahlt werden und ihre eigenen Angelegenheiten erledigen müssen und ihre eigenen älteren und kranken Eltern und Schulkinder zu versorgen haben. Hört auf Euch selbst zu belügen. Eure Eltern denken nur an Euch. Ihr seid deren ganzes Leben.



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