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Aufstehen Leipzig - 1. Treffen, ein kleiner Kurzbericht

von Thomas Trautzsch 18.11.2018

Mobirise

Aufstehen im Finden begriffen. In Arbeitsgruppen wurden im Leipziger Felsenkeller 10 Hauptthemen diskutiert. Dabei kristallisieren sich neben Strategien und Schwerpunkten auch zukünftige potentielle Führungspersönlichkeiten heraus.

Spontaneinladung

Es war zwei Tage zuvor, als ich der Ankündigung des ersten Treffens von Aufstehen Leipzig via Facebook gewahr wurde und einen Tag vorher bekam ich die Einladung per Email. Das Treffen hatte für mich also einen eher spontanen Charakter und da ich an diesem Tag eh Dinge in Leipzig zu erledigen hatte, nutzte ich kurzfristig die Gelegenheit, im Leipziger Felsenkeller in der Karl-Heine-Strasse vorbeizuschauen, um mir ein eigenes Bild vom Zustand und der Entwicklungsrichtung der Bewegung vor Ort zu machen. 

Mobirise

Wie sich herausstellen sollte, war ich nicht der Einzige, dem es so erging. Im Tanzsaal des Leipziger Felsenkellers wurden 10 Tische aufgestellt, an denen sich zu Beginn der Veranstaltung freiwillig Arbeitsgruppen gebildet haben, um vorrangig Ziele und Strategien für jedes der vorgegebenen Themen zu erarbeiten. Etwa 100 Menschen fanden sich dazu ein.

Gruppenarbeit

Ich gesellte mich zur Arbeitsgruppe für Wirtschaft, Finanzen und Steuern, da mich dieses Thema seit der Finanzkrise 2007/2008 beschäftigt hat. Am Thementisch saßen etwa 9 Leute hauptsächlich aus der Mittelschicht der Gesellschaft und diskutierten Schwerpunkte zu diesem Thema aus. Die meisten waren Laien auf diesem Gebiet, jedoch hatte so ziemlich jeder eine recht klare und individuelle Sichtweise und Vorstellung davon, was nötig wäre, um die Gesellschaft, insbesondere auf den Bezug des Themas Wirtschaft, ein wenig gerechter zu gestalten. Aufgrund der Tatsache, dass eine derartige politische Gruppenarbeit für die meisten Beteiligten wahrscheinlich ziemliches Neuland war, liefen die Diskussionen auch etwas langsam an und den meisten war die höfliche Zurückhaltung und eine gewisse anfängliche Scheu anzumerken. 
Jeder Tisch bestimmte, bzw. hatten einen vorbestimmten Themengruppenführer, der die Diskussion am jeweiligen Tisch moderieren sollte. Auf den Tischen waren Papierbögen befestigt mit dem jeweiligen Thema als Überschrift und einer zweispaltigen Tabelle, bei der in der ersten Spalte die auszudiskutierenden politischen Schwerpunkte herausgebildet werden wollten und in der zweiten Spalte Vorschläge für Kampagnen, um diese Schwerpunkte entweder einer breiten Öffentlichkeit oder interessanten Zielgruppen nahezubringen. Dieses Format wurde auch strikt eingehalten und die zur Verfügung stehende Zeit, um zum Ergebnis zu kommen, war leider vorgegeben und begrenzt, sodass wenig Möglichkeit bestand eine gewisse Tiefe in der Diskussion zu erreichen. Nach einstündiger Diskussionszeit waren die Themen und Kampagnenvorschläge gefunden und jedes Gruppenmitglied war dann angehalten, bei den drei seiner Meinung nach wichtigsten Schwerpunkten einen Zählstrich zu machen. Auf diese Weise kristallisierten sich dann die gewichtigsten Punkte heraus. Man kann geteilter Meinung sein, ob diese gruppendynamischen Methoden der Konsensfindung für politische Prozesse immer sinnvoll sind, aber in diesem Moment erschienen sie mir zum Zweck des Einstiegs und des Kennenlernens der Bewegung recht angemessen und ich habe meinen Minimalbeitrag zur Diskussion geleistet, ohne am Anfang zu tief einzusteigen. Diejenigen, die mich etwas länger kennen, dürften keine Schwieirgkeiten haben, den Punkt in der linken Spalte der untenstehenden Themenbogens auszumachen, der meiner Anregung zu verdanken ist. In diesem Findungsprozess ist das Gewicht der diskutierten Themen noch zweitrangig, da die Entstehung der Formen der Bewegung noch zu sehr im Vordergrund stehen, als dass die Themenschwerpunkte in einer hinreichenden Tiefe erörtert und ein allgemeines tragbares Konzept überführt werden können. Aber irgendwo muss solch eine Bewegung ja anfangen. 

Mobirise
Der Themengruppenleiter jedes Tisches hatte dann die Gelegenheit, die Ergebnisse der Gruppe vor allen zu präsentieren. Die gebildeten Themengruppen bleiben vorerst in ihrer Besetzung erhalten und sollen zukünftig mit einer gewissen Regelmäßigkeit tagen, um die ersten Würfe, die hier getan wurden, zu vertiefen und zu verfeinern. Die geplanten Termine sind auf der Webseite von Aufstehen-Leipzig einsehbar.
Im Anschluss wurden noch einige organisatorische Dinge benannt, die Leiter der Themengruppen noch einmal auf der Bühne vorgestellt und ein Anliegen eines Gewerkschafters der Druckerei für die Leipziger Volkszeitung vorgetragen, der auf die drohende Schließung der Druckerei und die fatalen Folgen für die Mitarbeiter aufmerksam machte.
Es ist noch eine ganze Menge organisatorische Findungsarbeit zu leisten, bevor man auf einer breiten Front wirklich auf effektive Weise politischen Druck auf die etablierten Parteien ausüben kann. Zu keinem Zeitpunkt fiel auch nur ansatzweise das Wort Parteigründung, was angesichts der initialen Verfassung der Bewegung zur Zeit auch der zweite Schritt vor dem ersten bedeuten würde.
Auch wenn die Konsensfindung bei dieser partei-übergreifenden Bewegung im Vordergrund steht, so ist mir noch nicht vollständig klar, wie die Strategien dafür aussehen, wenn zu gegebener Zeit Themen unvermeidlich werden, die aufgrund ihrer Natur ein hohes gesellschaftliches Spaltpotential haben, wie z.B. die Flüchtlingspolitik und der globale Migrationspakt. Man mag in der Lage sein, diese schwierigen Themen in der Anfangs- und Findungsphase zu umschiffen, solange die Bewegung einen gewissen Welpenschutz genießt, aber es wird der Zeitpunkt kommen, an dem man auch zu solchen polarisierenden Themen Stellung beziehen muss.
In den Fragen der Absichten und strategischen Entwicklungsaussichten der Aufstehen-Bewegung erhoffe ich mir etwas mehr Aufschluss von einer angekündigten Veranstaltung in Leipzig am 4. Dezember, bei welcher Prof. Dr. Cornelius Weiss, ehemaliger Rektor der Uni Leipzig und Erstunterzeichner des Aufrufs zur Sammlungsbewegung über die Ziele und Ausrichtung der Bewegung spricht. 
Mobirise
Alles in allem war die Veranstaltung im Felsenkeller so, wie ich sie angesichts der Umstände erwartet hätte. Befeuert vom Wunsch, der Stagnation und dem Niedergang der Merkel-Ära ein Ende zu setzen, treffen viele Menschen unterscheidlicher Coleur in dieser Bewegung aufeinander und suchen nach Orientierung, um die Bewegung effektiv und handlungsfähig zu machen. Es ist die Zeit einer gesellschaftlichen Bewegung, in der zukünftige Führungspersönlichkeiten geboren werden. Die Qualität, Intensität und Richtung politischer und gesellschaftlicher Prozesse ist im Wesentlichen eher abhängig von der Qualität der Führungspersönlichkeiten ihrer Zeit, als der Qualität der stattfindenden Konsensfindungsprozesse. In diesem Sinne kann man in der Aufstehen-Bewegung auch eine Möglichkeit sehen, neben der Bildung einer breiten und druckvollen Massenbewegung, zu der sie sich hoffentlich entwickelt, eine Plattform zu bieten, in der eine neue Generation kompetenter und vor allem moralischer Führungspersönlichkeiten entwickelt werden kann.
T. Trautzsch
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